Christoph Thomann zeichnet die „Brücke“ der Klärungshilfe.

Stabiler Brückenbau

Folge 7: Die Brücke steht seit jeher für Frieden, für das Überwinden von Grenzen, für Fortschritt – und dafür, dass Hindernisse überquert werden können. Genau diese Funktion erfüllt auch eine gute Konfliktklärung. Besonders bewegt mich deshalb das Bild der Brücke, das Christoph Thomann, der „Vater“ der Klärungshilfe, seiner Methode gegeben hat – eine echte „Bridge over troubled water“. Ich plädiere stets leidenschaftlich dafür, Gespräche nicht abbrechen zu lassen: eine Brücke zu schlagen, selbst wenn die Gegensätze im Moment unüberwindbar scheinen. Für Ungeübte bietet die Brücke des Verfahrens „Klärungshilfe“ zudem ein sicheres Geländer, an dem man sich entlanghangeln kann – Schritt für Schritt, bis das Gespräch wieder festen Boden gewinnt.

Ein klar strukturiertes Verfahren

Thomann nennt sich selbst gern einen „Sozialingenieur“. Und tatsächlich erinnert auch die fünfgliedrige Brücke seiner Klärungshilfe an ein sorgfältig konstruiertes Bauwerk: stabil, übersichtlich und tragfähig. Sie bietet Orientierung und Halt – für die Konfliktparteien ebenso wie für mich als Gesprächsvermittlerin – und führt sicher durch die oft bewegte und emotionale Gesprächsatmosphäre.

Lassen Sie mich die fünf Schritte, die fünf „Brückenpfeiler“ dieses Weges, kurz skizzieren:

  1. Arbeitsfähigkeit herstellen: Das Ziel ist ein Commitment der Teilnehmenden für das Verfahren. Dazu gehört, dass Vertraulichkeit vereinbart und für mögliche Bedenken eine Lösung gefunden wird. Und wichtig: Wie eine Flugkapitänin vor dem Start die Flugroute erläutert und auf mögliche Turbulenzen hinweist, stelle ich die fünf Phasen der gemeinsamen Wegstrecke kurz vor, damit alle wissen, was sie erwartet.
  • Themen identifizieren: Alle relevanten Themen werden so offen wie möglich auf den Tisch gebracht – subjektiv und individuell, wie sie jede und jeder wahrnimmt. Besonders daran ist, dass die Themen einzeln monologisch vorgetragen und zunächst nur angehört werden, ohne Diskussion oder Bewertung.
  • Strittige Punkte klären: Die Gesprächsphase über Unstimmigkeiten und unterschiedlichen Positionen ist der Hauptteil der Brücke: Im Dialog werden die Themen eins nach dem anderen abgearbeitet. In meiner neutralen bzw. allparteilichen Rolle sorge ich dafür, dass der Faden nicht abreißt und jede Perspektive verstanden wird. Bei Bedarf setze ich methodische „Leitern“ ein, die es ermöglichen, einzelne Positionen vertieft zu betrachten.
  • Erklärungen und Lösungen finden: Zunächst biete ich meine Außenperspektive an – eine fachliche Erklärung dessen, was ich verstanden habe, wie ich es auch in BLOG 6 „Erklärungen sind Gold wert“ beschrieben habe. Ab diesem Punkt entwickeln die Teilnehmenden gemeinsam Lösungen und halten die Vereinbarungen schriftlich fest.
  • Zukunft planen: Wie setzen wir die getroffenen Vereinbarungen um? Wer sollte darüber informiert werden? Und was geschieht, wenn eine Vereinbarung nicht eingehalten wird? Am Ende richtet sich der Blick über den geschützten Raum der Mediation oder Klärungssitzung hinaus – auf den Alltag danach – und das Follow-Up wird sorgfältig geplant, damit die Brücke in der Praxis trägt und langfristig stabil bleibt.

Aus Erfahrung kann ich Ihnen versichern: Die meisten Verfahren, die ich mit der Klärungshilfe begleite, erreichen diesen fünften, zukunftsweisenden Planungsschritt. Der Brückenbau öffnet den Menschen den Blick für neue Wege und ermöglicht es, alternative Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln und auszuprobieren.

Ich finde das Symbol der Brücke für das Verfahren genial und habe Thomann selbst gefragt, wie es zu dieser Idee gekommen ist.

Was Christoph Thomann erlebt hat, als er die Kraft seiner Erklärungen entdeckte, erzählt er hier:


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Haben Sie Fragen? Oder vielleicht sogar Lust, einen schwelenden Konflikt anzugehen? Dann melden Sie sich gern – gemeinsam finden wir den Weg zur Verständigung.

Schon heute möchte ich Sie auf weitere praxisnahe Einblicke und Impulse für den Umgang mit Konflikten hinweisen.

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Angelika Sachs

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