Folge 3: Wer setzt sich schon gern mit Wut, Ablehnung oder Trotz auseinander? Der Wunsch nach einem rein sachlichen Gespräch ist verständlich – vor allem im Job. Doch Konflikte und starke Emotionen sind wie Blitz und Donner: Untrennbar verbunden. Wenn Argumente sich im Kreis drehen, die Fronten verhärten und der eigentliche Kern des Problems aus dem Blick gerät, hilft nur eins: Die angestauten Gefühle müssen auf den Tisch – auch wenn es erst mal kracht.
Menschen sind keine Maschinen
„Gefühle sind keine Krankheit“, schreibt der Arzt Peter Dogs. Doch viele Menschen schrecken vor unangenehmen Emotionen zurück – besonders vor denen, die laut und drängend sind. „Vor allem die aggressiven Anteile spalten viele von sich ab. ‚Das gehört sich nicht‘, sagt ihr wohlerzogenes Gehirn – und blendet sie aus.“ Dabei sind wir Menschen keine Maschinen. Neurowissenschaftliche Studien belegen: Ohne emotionale Impulse fehlt uns der innere Kompass für klare Entscheidungen. „Ohne unseren Gefühlsstrom verlieren wir die Orientierung im Dickicht des Alltags“, erklärt Fred Christmann, Psychotherapeut und Gründer der Stiftung Psyche. „Wut, Ärger und Enttäuschung zu spüren, ist nicht nur normal – es ist essenziell. Nur so erkennen wir, was uns belastet und wo Veränderung nötig ist.“
Und doch verunsichern uns starke Gefühlsausbrüche. Was tun, wenn gar Tränen fließen oder jemand vor Wut die Beherrschung verliert? Wie reagieren, wenn persönliche Vorwürfe laut werden? Immer wieder höre ich in solchen Situationen den Wunsch: „Können Sie nicht erst mal mit jedem einzeln sprechen?“
Doch was sagt Christoph Thomann, der Entwickler der Klärungshilfe, dazu?

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Zu Beginn einer Konfliktmoderation oder Mediation schaffe ich bewusst Raum für all das, was oft unterdrückt wird: Wut, Ärger, Enttäuschung. Denn nichts vergiftet Gespräche mehr als aufgestauter Frust, der im Stillen gärt und Fantasien befeuert. Wir alle kennen das Bild: Ein Gegenüber, das mit zusammengepressten Lippen und hochrotem Kopf vor uns sitzt, kurz vorm Explodieren – und kein Wort darüber verliert.
Meine Überzeugung: Lieber die Dinge benennen, auch wenn sie wehtun und stören, als sie unter dem Deckel zu halten. Damit das gelingt, braucht es einen klaren Fahrplan, professionelle Begleitung – und vor allem Zeit. Genau deshalb arbeite ich fast ausschließlich in intensiven Formaten, die ein bis drei Tage dauern können. Denn echte Klärung ist kein Sprint, sondern eine Langstrecke, bei der jede Emotion zählt.
Haben Sie Fragen? Oder vielleicht sogar Lust, einen schwelenden Konflikt anzugehen? Dann melden Sie sich gern – gemeinsam finden wir den Weg zur Verständigung.
Schon heute möchte ich Sie auf weitere praxisnahe Einblicke und Impulse für den Umgang mit Konflikten hinweisen.
