Folge 1: Warum rate ich Führungskräften und Konflikt-Moderatoren von Einzelgesprächen ab? Was auf den ersten Blick nach einer vernünftigen Lösung klingt, bringt in der Praxis oft eine ungewollte Schieflage mit sich. Stellen Sie sich vor, jede Partei vertraut mir im geschützten Rahmen ihre Sichtweise an – mit allen Details und Emotionen. Das klingt nach einem guten Anfang, oder? Doch hier liegt die Herausforderung: Diese Worte bleiben oft unausgesprochen, wenn es später zum eigentlichen Gespräch zwischen den Konfliktparteien kommt.
Plötzlich sind die zuvor hitzig geäußerten Vorwürfe nur noch zaghafte Andeutungen oder sie werden gar nicht mehr erwähnt. Warum? Entweder haben die Betroffenen in den Einzelgesprächen bereits „Dampf abgelassen“, oder sie hoffen, ich würde als neutrale Instanz die heiklen Themen zur Sprache bringen. Aber genau hier liegt der Knackpunkt: Meine Rolle ist es nicht, als Sprachrohr zu fungieren, sondern die Konfliktparteien dabei zu unterstützen, selbst offen und authentisch zu sprechen.
Christoph Thomann hat ähnliche Erfahrungen gemacht:

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Natürlich könnte ich als neutrale Instanz mein Wissen zum Konfliktfall vortragen. Doch Worte aus zweiter Hand haben eine völlig andere Wirkung, als wenn die Betroffenen selbst sprechen – offen, ehrlich und direkt. Ihre eigenen Worte tragen die Kraft der Authentizität und die Chance, wirklich gehört zu werden. Kierkegaard bringt es auf den Punkt: „Wahrheit steht am Anfang des Vertrauens. Je echter die Wahrheit, desto kürzer ist der Weg zur Verständigung.“ Und genau dieser Weg ermöglicht echte Klärung.
Der Ansatz der Klärungshilfe – offene Direktheit
In der Klärungshilfe sind alle Konfliktbeteiligten von Anfang an im selben Raum. Doch anstatt wie so oft in ein Streitgespräch einzusteigen, geschieht etwas Überraschendes: Jede Partei schildert nacheinander ihre Sichtweise, während die anderen lediglich zuhören. Keine Einwände, keine Reaktionen – nur zuhören.
Ich selbst kenne den Fall nicht und stelle bewusst naive, offene Fragen, die den Beteiligten Raum geben, ihre Sicht der Dinge zu erklären. Es geht um Verstehen und Selbstklärung. Das schafft eine ungewohnte Atmosphäre des Respekts und der Aufmerksamkeit. Es ist faszinierend, wie sich durch diese Offenheit ein Spannungsbogen aufbaut, der häufig einen Perspektivwechsel anstößt.
Haben Sie Fragen? Oder vielleicht sogar Lust, einen schwelenden Konflikt anzugehen? Dann melden Sie sich gern – gemeinsam finden wir den Weg zur Verständigung.
In der Folge 2 erläutere ich Ihnen, wie ein einfaches, klares Gerüst den Prozess unterstützt und Klarheit schafft.
